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Die Ökumenische Gemeinschaft im Kloster Beinwil SO lebt für die Einheit der Christen   

Katholische und evangelische Brüder und Schwestern

Beinwil SO, "In Gebet und Stille für die Einheit der Christen leben." Diesem Leitspruch haben sich die katholischen und evangelischen Brüder und Schwestern des Klosters Beinwil verschrieben. Seit rund zehn Jahren leben sie als Ökumenische Gemeinschaft in den frisch restaurierten Gebäuden des ehemaligen Benediktinerklosters. Romantisch im bäuerlich geprägten solothurnischen Schwarzbubenland gelegen, zieht das Kloster während des ganzen Jahres Gäste an, die Stille und Einkehr suchen.

Von Walter Müller / Kipa

Die einsamen Hügelzüge des Jura sind Zeugen dieses aussergewöhnlichen Versuchs, in klösterlicher Gemeinschaft als evangelische und katholische Christen zu leben. Das kleine Kloster beherbergt derzeit drei Brüder und einen Novizen sowie zwei Schwestern und eine Kandidatin. Hinzu kommen einige Brüder und Schwestern, die nicht ständig im Kloster leben, ein "Kreis von Jüngern und Jüngerinnen" sowie ein Freundeskreis. Die Ökumenische Gemeinschaft von Beinwil trägt deutlich den Stempel eines kirchlichen Experiments. Relativ häufige Ein- und Austritte prägen das Bild. "Noch sind wir in der Entwicklung", heisst es dazu im Kloster.

Die Ökumenische Gemeinschaft ist kirchlich von beiden Konfessionen anerkannt - der Bischof von Basel und der evangelisch- reformierte Kirchenratspräsident von Basel-Stadt haben Aufsichtsfunktion. Auf die Initiative des 1994 verstorbenen Basler Bischofs Anton Hänggi geht die Schaffung einer Stiftung zurück mit dem Zweck, die Gebäulichkeiten "des ehemaligen Klosters Beinwil und ihre Umgebung zu restaurieren, damit sie einer Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden können, welche im Sinne des Evangeliums in Stille, Meditation und Gebet lebt und für die ökumenische Verständigung aller christlichen Konfessionen wirkt".

Eine Feuersbrunst stand am Anfang

Ein verhängnisvoller Brand verhalf der Idee des Bischofs zum Durchbruch. Im August 1978 waren die Kirche und grosse Teile der Klostergebäude niedergebrannt, als gerade zehnjährige Renovationsarbeiten abgeschlossen worden waren. Regierung und Denkmalpflege des Kantons Solothurn waren sich rasch einig, die Kirche im Barockstil so wiederherzustellen, wie sie seit 1668 bestanden hatte. Die Restauration der eigentlichen Klostergebäude übernahm die 1980 gegründete Stiftung, an der bis heute neben dem Bischof von Basel und dem Abt des Klosters Mariastein auch die Evangelisch-reformierte und die Römisch-katholische Kirche Basel- Stadt mitwirken.

Der Wunsch Hänggis, dass in Beinwil eine ökumenische Gemeinschaft entstehen solle, wurde 1983 Wirklichkeit, als die ersten drei Bewohner ins Kloster zogen: ein Benediktinerpater aus Mariastein, ein reformierter Pfarrer und der katholische Laienbruder Christian Homey. Die nächsten Etappen waren die Priesterweihe Bruder Christians und die Einrichtung eines Noviziats. 1990 legten die ersten Brüder ihre Versprechen ab - sie verpflichten sich für jeweils ein Jahr. Zeitlich unbeschränkte Versprechen hat bisher noch kein Mitglied abgegeben. 1992 nahm die Ökumenische Gemeinschaft zum ersten Mal Frauen auf.

Fünf Säulen

Nach welchen Grundsätzen leben die Brüder und Schwestern von Beinwil? Freundlich erklären sie dem Gast, dass sie ihr Leben nach dem Evangelium und der Ordensregel des Heiligen Benedikt ausrichten. Das Leben der Gemeinschaft werde von fünf Säulen getragen, ergänzen sie. Es sind dies das tägliche Stundengebet der alten, ungeteilten Kirche, die Stille, die Arbeit, die Gastfreundschaft und das Gottvertrauen. Die Gemeinschaft sei ein Ort der Versöhnung und versuche die Einheit zu leben.

Bei allem praktisch gelebten Ökumenismus sind jedoch auch in Beinwil die konfessionellen Unterschiede nicht ausgelöscht. Dies macht ein Augenschein dem Besucher klar. Gerade in der gegenseitigen Rücksichtnahme und dem engen Zusammenleben werden die Unterschiede der Konfessionen möglicherweise sogar besonders deutlich. So sind etwa Zeichen katholischer Identität im Kloster unübersehbar: Weihwassergefässe, Heiligenstatuen und Kruzifixe sind überall angebracht. Auch die ostkirchliche Tradition ist mit zahlreichen Ikonen im Kloster vertreten; sie stehen für das Bemühen um eine weltweite ökumenische Verständigung.

Chorgebet

Die reformierte Tradition wird weniger durch äussere Zeichen sichtbar. Sie ist jedoch liturgisch präsent, etwa im Abendmahl, das bei den sich bietenden Gelegenheiten gefeiert wird. Dann zelebriert ein evangelischer Geistlicher und nicht der Prior der kleinen Gemeinschaft, Bruder Christian, der den Eucharistiefeiern vorsteht. Den christlichen Konfessionen gemeinsam ist das Chorgebet - Laudes, Sext, Vesper und Komplet - das den Tag der Ökumenischen Gemeinschaft gliedert.

Vielfältig ist auch die Zusammensetzung der Gäste, die während des ganzen Jahres in Beinwil für einige Stunden, Tage oder Wochen aufgenommen werden. Unter ihnen befinden sich auch der Kirche Entfremdete, Menschen mit Suchtproblemen, Leute, die schlicht die Stille suchen, oder etwa ein evangelischer Pfarrer mit seinen Konfirmanden. Zehn Betten stehen für die Gäste zur Verfügung.

(kipa/wm/job)

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Urkloster von Mariastein

Auf Initiative des lokalen Adels entstand um 1100 in Beinwil ein Benediktinerkloster. Das Reformkloster Hirsau im Schwarzwald entsandte neun Mönche unter der Leitung von Abt Esso. Das stets kleine Kloster geriet nach 1400 immer mehr in Schwierigkeiten. Es wurde aufgerieben in den Rivalitäten der Städte Basel und Solothurn, des Fürstbischofs von Basel und des Adels. Dabei kam es zu Plünderungen, Brandschatzungen und Verwüstungen. 1527 starb der letzte Abt und 1554 der letzte Mönch von Beinwil.

Die Stadt Solothurn, die als Schutzvogt am verarmten Kloster Rechte besass, setzte Weltpriester als Administratoren ein. 1589 berief die Solothurner Regierung jedoch Mönche aus Einsiedeln und später auch einen Konventualen aus Rheinau nach Beinwil. 1633 war der Benediktinerkonvent zahlenmässig wieder so stark, dass er Pater Fintan Kieffer aus Solothurn zum Abt wählen konnte. 1648 verlegte dieser das Kloster nach Mariastein, einem Ort, der als Standort geeigneter zu sein schien.

Als der Kanton Solothurn das Kloster Mariastein 1874 aufhob, gelangten auch die Klostergüter in Beinwil in Staatseigentum. Kirche und Klostergebäude gingen als Pfarrkirche und Pfarrhaus an die römisch-katholische Kirchgemeinde Beinwil. Heute sind die Stiftung Beinwil, die Benediktinerabtei Mariastein und die Kirchgemeinde Beinwil Eigentümer der Gebäude.

(kipa/wm/job)

Kipa, 01.02.2001


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