Heiligsprechung
Am 5. Oktober 2003 wird Papst Johannes Paul II. in Rom Arnold Janssen, den Gründer des Steyler Missionswerkes, zusammen mit seinem Mitbruder, dem China-Missionar Josef Freinademetz, heilig sprechen
Arnold Janssen wurde 1837 in Goch am Niederrhein geboren und starb 1909 im niederländischen Grenzort Steyl. Josef Freinademetz kam 1852 im Südtiroler Gadertal zur Welt und starb 1908 in Taikia in China. Das Steyler Missionswerk mit seinen drei Orden ist eine der größten katholischen Missionsgemeinschaften. Steyler Missionare und Missionsschwestern arbeiten in über 60 Ländern der Welt.
Wer war der Mann, der die erste deutsche Missionsgemeinschaft gründete? Nach seiner Priesterweihe 1861 arbeitete Arnold Janssen zunächst als Lehrer an einem Gymnasium in Bocholt. Geprägt von einem katholischen Elternhaus fühlte er sich in besonderer Weise dem Gebet verbunden. Er nahm Kontakt auf zu einer Gemeinschaft, die aus Frankreich kam und sich "Gebetsapostolat" nannte. Ihr Ziel war es, Menschen zum Gebet und zu einem gelebten Glauben hinzuführen. Für dieses Anliegen setzte sich der eher menschenscheue, nüchterne Priester, der aus einer Fuhrmannsfamilie stammte, voll und ganz ein. Er investierte alle Zeit, alles Geld und all seine Kreativität in die Verbreitung dieses Apostolates. Mit dem Beginn des Kulturkampfes 1872 weitete Arnold Janssen seine Bemühungen um das Gebetsapostolat aus. Er richtete sich jetzt an alle deutschen Bischöfe, die Bischöfe von Luxemburg und der deutschsprachigen Schweiz. 1873 kündigte er die sichere Lehrerstelle in Bocholt. Er wurde Hausgeistlicher am Ursulinen-Kovent in Kempen. Aus eigener Tasche finanzierte er eine Zeitschrift, den "Kleinen Herz-Jesu-Boten", um mit seinem Anliegen noch mehr Menschen zu erreichen. Janssen war beunruhigt, weil es jenseits der Grenzen seiner Heimat unzählige Menschen gab, die Christus noch nicht kannten. So wuchs in ihm die Idee, der Weltmission. Er wollte ein Missionswerk gründen, in dem junge Männer und Frauen zu Missionaren und Missionsschwestern ausgebildet werden konnten.
Pioniere der Weltmission
In dem kleinen niederländischen Grenzort Steyl an der Maas, sieben Kilometer von Deutschland entfernt, eröffnete Arnold Janssen am 8. September 1875 das Missionshaus St. Michael und legt damit den Grundstein für sein Missionswerk. 1875 gründete er die Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Societas Verbi Divini, SVD), den männlichen Zweig der Steyler Missionare, 1889 die Steyler Missionsschwestern, Dienerinnen des Heiligen Geistes (Servae Spiritu Sancti, SSpS) und sieben Jahre später die Steyler Anbetungsschwestern, die Dienerinnen des Heiligen Geistes von der Ewigen Anbetung (Servae Spiritu Sancti Adoratione Perpetua SSpSAP). Kaum waren die ersten Räume des Missionshauses bezogen, begann er mit einer Schule und richtete im Januar 1876 eine Druckerei ein. Schon im März 1879 reisten die ersten Missionare, Pater Baptist Anzer und Josef Freinademetz, nach China aus. 1886 übernahmen die Steyler die chinesische Provinz Shandung als ihr Missionsgebiet, in das sie besonders viele Missionare und Missionarinnen entsandten. Shandung entwickelte sich zu einer blühenden Kirche. Die Steyler Missionsschwestern begannen 1896, nur sieben Jahre nach ihrer Gründung, ihre Tätigkeit in den deutschen Kolonien in Argentinien. Als Arnold Janssen 1909 starb, hatten die Steyler Niederlassungen in China, Japan, Philippinen, Paraguay, Argentinien, Brasilien, Chile, Ecuador, USA, Togo, Mosambik, Papua Neuguinea, Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien und Italien.
Seiner Zeit voraus
Schon früh erkannte Arnold Janssen die Macht der Medien. Bereits 1873 gab er den "Kleinen Herz-Jesu-Boten" heraus. Und von 1878 an druckte er in der ordenseigenen Druckerei auch die Familienzeitschrift "Stadt Gottes". Bis heute ist das Zeitschriftenapostolat ein wichtiges Instrument der Steyler, um Glaubensinhalte und christliche Werte zeitgemäß und unterhaltsam zu den Menschen zu bringen. Auch auf anderen Gebieten war Arnold Janssen vielen seiner Zeitgenossen voraus: Er förderte in seinen Gemeinschaften das Studium von Religions-, Sprach-, Missionswissenschaften und Völkerkunde. Er hielt diese Studien für eine unerläßliche Grundlage für eine gute Verkündigung. Damals eine Ausnahme! 1920 waren die Steyler Missionare die ersten, die in den USA gegen viele Widerstände farbige junge Männer in ihr Priesterseminar aufnahmen.
Josef Freinademetz
Wer war der Mann aus Südtirol, der den Weg in das fremde China wagte? Aufgewachsen in einem kleinen Dorf inmitten der Dolomiten interessierte sich Josef Freinademetz schon als junger Mann für das Geschehen in der Welt. Bereits als Kind verließ er die heimatliche Geborgenheit, um in Brixen die Schule und später das Priesterseminar zu besuchen. Geprägt von einem religiösen Elternhaus, war der Glaube Zentrum seines Lebens. Diesen Glauben auch denen zu bringen, die noch nichts von Jesus Christus wussten, wurde zur Triebfeder seines Handelns. So machte er sich, nach einer kurzen Zeit als Kaplan in seiner Südtiroler Heimat, auf den Weg in das Missionshaus nach Steyl. Voller Liebe zu den Menschen und beseelt von dem Gedanken, dass die Chinesen sich zutiefst nach dem Wort Gottes sehnen, brach er in die erste deutsche Kolonie auf. Schmerzvoll lernte er, dass hier niemand auf ihn wartete; er als Fremdling mit der Besatzungsmacht identifiziert wurde. "Weißer Teufel!", riefen ihm die Kinder in den Dörfern nach. Doch trotz all dieser Enttäuschungen und Mühen entwickelte er eine große Zuneigung und Liebe zu den Chinesen und ihrer Kultur. Den Menschen in Südtirol und in China ist Josef Freinademetz gerade durch seine Wärme und Nähe ans Herz gewachsen. Besonders in Zeiten der Not nahmen sie ihre Zuflucht zu dem volkstümlichen Priester.
Der Steyler Orden weltweit
Heute sind weltweit über 10300 Steyler Schwestern, Brüder und Patres aus 63 Nationen als Missionarinnen und Missionare im Einsatz. Sie arbeiten als LehrerInnen und WissenschaftlerInnen an ordenseigenen Schulen und Universitäten. Sie setzen sich als SeelsorgerInnen in Pfarreien und anderen pastoralen Bereichen ein. Sie sind in Behandlung und Pflege von Kranken tätig, drucken und verbreiten das Wort Gottes, geben Zeitschriften, Bücher, Filme und Musik?CI)s heraus, kümmern sich um Straßenkinder und Menschen am Rand der Gesellschaft. Getreu dem Leitbild ihres Gründers leisten sie Arbeit am ganzen Menschen, unabhängig von dessen Herkunft, Kultur und Religionszugehörigkeit. Jungen Europäern ermöglichen sie Erfahrungen in den Gemeinden von Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa als Missionarinnen und Missionare auf Zeit. Kennzeichen der Steyler Ordensfamilie ist ihre Internationalität sowie ihr weltumspannendes Netzwerk. Gemeinsam mit Menschen am Rande der Gesellschaft setzen sie sich für Gerechtigkeit und Frieden ein. Daraus haben sich gute Kontakte zur jeweiligen Ortskirche entwickelt. Kasten Die Steyler in der Schweiz 1920 gründeten die Steyler Missionare in Steinhausen ZG ihre erste Niederlassung in der Schweiz. Heute gehören fünf Häuser (Niederlassungen) zur Schweizer Provinz. Es sind dies: Mariahilf in Steinhausen, die Marienburg in Rheineck SG, das Institut Froideville Posieux FR, das Missionshaus Gampel VS sowie das Foyer SVD in Paris. Insgesamt 43 Patres und Brüder gehören diesen fünf Häusern an. Sie arbeiten in der Schweiz und weltweit als Gemeindeseelsorger, Jugendarbeiter, Lehrer und Erwachsenenbildner. Zudem sind sie Herausgeber der bekannten Familienzeitschrift "Stadt Gottes", der Kinder- und Jugendzeitschriften "Pico" und "Weite Welt" sowie des Michaelskalenders. Bis 2000 führten die Steyler in Rheineck auch das Gymnasium Marienburg. Heute wird die Internats- und Tagesschule von einer Stiftung geleitet.
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