Catholica Unio Schweiz
«Auf dem Weg, der zur vollen Einheit führt, bemüht sich der Ökumenische Dialog, eine brüderliche Hilfe füreinander zu wecken, durch die sich die Gemeinschaften gegenseitig das geben sollen, was eine jede braucht, um dem Plan Gottes entsprechend zur endgültigen Fülle zu wachsen.»
(Johannes Paul II., UT UNUM SINT Nr. 87)
Es ist tragisch und stimmt mich nachdenklich: In der arabischen Welt versuchen die Menschen, mehr politische Freiheit zu erlangen – und die Leidtragenden sind die einheimischen Christen! Ist nicht irgendetwas falsch, wenn Christen auf den Fortbestand von totalitären Regimen hoffen?
Auf der anderen Seite ist dies sehr verständlich. Die jüngsten Ereignisse in Ägypten und die bereits als Normalität hingenommene und in der Öffentlichkeit vergessene dramatische Situation der Christen im Irak erinnern uns an das Tag für Tag mit vielen Schwierigkeiten und Benachteiligungen bis zur Lebensgefahr belastete Leben der Christen in einem dominant islamischen Umfeld. Da ist es eine Wohltat, wenn eine starke Hand für Ordnung und eine gewisse Sicherheit sorgt.
Wir können die Sorgen und Ängste unserer orientalischen Brüder und Schwestern nicht ignorieren. Dürfen wir aber Unrecht dulden, weil es das kleinere Übel ist und für die Christen bessere Lebensbedingungen ermöglicht?
Bei seiner Rede im Deutschen Bundestag hat Papst Benedikt XVI. jüngst an die Grundlagen eines gerechten politischen und gesellschaftlichen Handelns erinnert. Auch bei uns spüren wir eine Distanz zwischen diesem Ideal und der Wirklichkeit. Neben dem Gebet für die Christen im Nahen Osten müssen wir uns deshalb auch bei uns politisch und gesellschaftlich einsetzen. Je mehr wir selber unserem Ideal gerecht werden, desto mehr können wir andernorts das Zusammenleben in Gerechtigkeit und gegenseitigem Respekt fördern.
P. Kilian Karrer




