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Pfarreien im InternetQuelle: Erich Schweizer, Vielfalt und Einheit im Internet, in: Diakonia, "www.gott-online", Internationale Zeitschrift für die Praxis in der Kirche, 31. Jg., Heft 6, November 2000, Mainz (Grünewald / Herder). InternetnutzerInnen suchen Informationen und wollen kommunizieren. Mit Hilfe offener Netzwerke kann es auch kleineren Pfarreien und Institutionen gelingen, die Möglichkeiten des Mediums gut zu nutzen. Erkenntnisse und Tipps des webmaster@kath.ch. Unter den Tausenden von Seiten, die täglich neu bei den Vergabestellen von
Domain-Namen gemeldet werden, sind immer mehr auch solche von kirchlichen
Einrichtungen und Pfarrgemeinden zu finden. Gehört es demnach zu den
vordringlichen Aufgaben der Kirche, eine starke und flächendeckende
Internetpräsenz aufzubauen? Braucht wirklich jede Pfarrei eine eigene Homepage?
Und was soll das Angebot der Kirche überhaupt enthalten? Aktuelle ModelleEin nicht systematischer Überblick über das deutschsprachige Angebot kirchlicher Internetseiten zeigt zum einen engagierte Individualauftritte von Feierabendbastlerinnen und -bastlern mit Liebe zum Detail und bewundernswerter Aktualität. Pfarrer Jörg Sieger zum Beispiel hält auf seinen opulenten Seiten neben theoretischem und praktischem Pfarrei- und Kirchenleben nicht weniger als - im Moment - 186 ausformulierte Predigten bereit, eingeordnet in den Jahreskreis. Dazu kommen wöchentlich aktualisierte "Lichtblicke im Alltag" - kurze Gedanken und Anregungen zum Nach- oder Weiterdenken (http://joerg-sieger.de). Br. Paulus vom Kapuzinerkonvent Liebfrauen verbreitet täglich ab acht Uhr morgens seinen eigenen Kommentar zur aktuellen Schlagzeile der BILD-Zeitung in les- oder hörbarer Form (http://www.kath.de/liebfrauen/bild.htm). Solche Angebote sind an die gestaltende Person geknüpft und verschwinden bei personeller Veränderung oder erlahmendem Interesse am neuen Medium. Eine zweite Gruppe bilden die bei Designern in Auftrag gegebenen, vergoldeten Hochglanzseiten. Ihre "Schönheit" ist oft so umwerfend, wie die Ladezeit lang ist, und die Komplexität der Seitengestaltung so hoch, dass Änderungen und Aktualisierungen nur im äußersten Notfall vorgenommen werden: gestaltet für die Ewigkeit eben, was allerdings dem Medium Internet nicht gerade gerecht wird. Andere Informationsanbieter setzen auf einen Kollektivauftritt mit vereinheitlichtem Design. Die sehr eingeschränkten Gestaltungs-, Veränderungs- und Kommunikationsmöglichkeiten lassen diese Seiten als elektronische Broschüren erscheinen - auch ihr praktischer Nutzen ist nicht viel höher. Immerhin findet die Besucherin oder der Besucher auf der Seite einer Pfarrei wie Rheinau (http://www.kath.ch/zh/rheinau/) die Gottesdienstzeiten und die Adressen der Verantwortlichen. Mit Hilfe eines Scripts lässt sich diese Seite sogar auf einfachste Art und Weise aktualisieren. Der Internet-Einstieg ist damit geschafft, und sobald auch die Nutzung der weiteren Möglichkeiten des Internet als dringlich erkannt werden, kann mit dem Ausbau begonnen werden. Schließlich bleiben die unzähligen schmucklosen oder höchstens mit Hilfe einer Formatvorlage gestalteten Informationen, erstellt in der Überzeugung, dass Interessantes keines übermäßigen Schmucks bedarf, damit es wahrgenommen wird. Welche dieser Gestaltungsformen eignet sich nun aber für kirchliche
Einrichtungen und Informationen am besten? Entscheidungsgrundlage seien die
Bedürfnisse der Benutzerinnen und Benutzer! Erwartungen der Benutzerinnen und BenutzerInformation: Meine Erfahrung als webmaster@kath.ch lehrt mich, dass es ein Grundbedürfnis vieler ist, einfache Auskünfte über kirchliche Einrichtungen zu erhalten wie Namen, Adressen und Öffnungszeiten. Die Suche nach diesen Informationen verlagert sich mit rasanter Geschwindigkeit ins Internet. Im deutschsprachigen Raum hatten 1996 erst 0.5% der Bevölkerung Zugang zum Internet, im Moment (2000) nutzen schon etwa 18% die Online-Kommunikation und am Ende des Jahres 2005 werden es nach Schätzungen sogar 66% sein (Quelle: http://www.glreach.com/globstats/evol.html). In den Vereinigten Staaten bezeichneten im Juni 2000 anlässlich einer repräsentativen Umfrage bereits 67% der 18- bis 24-jährigen das Internet als wichtigstes Informationsmedium (Quelle: http://cyberatlas.internet.com). Die Befriedigung dieses Informationsbedürfnisses verlangt von den Internet-Verantwortlichen einer Institution, dass sie gezielt eine klar beschränkte Menge übersichtlich angeordneter Information für einen auserwählten Kreis von Interessierten bereit stellen und sich in Selbstbeschränkung üben. Allerdings ist es natürlich schon verführerisch, das eigene Angebot zu globalisieren, wenn man bedenkt, mit welch geringem technischen und finanziellen Aufwand Informationen für ein weltweites Publikum veröffentlicht werden können – aber Hand auf die Maus: Wie viele Leute auf der Welt interessieren sich für ein lokal oder inhaltlich stark eingeschränktes Thema und wie viele betreiben selber ein vergleichbares Projekt? Das Angebot einer Pfarrei zum Beispiel soll deshalb deutlichen Exklusivcharakter haben und sich bescheiden an seine Grenzen halten. Es soll systematisch oder zielgruppenspezifisch verarbeitete Informationen bieten. Über die Qualität einer Seite entscheidet letztlich nicht die Gesamtzahl der Hits, die anhand der enthaltenen Stichwörter von Suchmaschinen auf diese Seite gelockt werden, sondern die Zahl der wiederkehrenden Besucherinnen und Besucher, die hier regelmäßig bedeutsame Informationen finden. Aktualität: Bleibendes Interesse erregen fast nur Seiten, deren Inhalt regelmäßig verändert wird. Der zeitliche Aufwand für diese zweite Erwartung des Publikums an den Internetauftritt einer kirchlichen Einrichtung, die Aktualität, wird oft unterschätzt: Es geht letztlich darum, fast täglich verstrichene Termine aus der entsprechenden Seite zu entfernen, neue hinzuzufügen und natürlich auch die neusten Informationen aus der Institution zu publizieren. Noch kurz vor einer Konferenz kann hier die endgültige Version der Unterlagen bezogen und studiert werden, und wer an einer wichtigen Sitzung nicht hat teilnehmen können, findet hier am nächsten Tag bereits das Protokoll… Hintergrund: Das Internet ist – trotz der kalten und abstrakten
Technik, die dahinter steckt – ein sehr persönliches Medium, und der
gegenwärtige Trend verstärkt diesen Aspekt eindeutig. Zum einen ist das
Internet als Informationsgefäß so unaufdringlich, dass ohne weiteres auch
umfangreiche Selbstdarstellungen der verantwortlichen Institution oder der
engagierten Personen möglich sind. Benutzerinnen und Benutzer wissen - nur wenn
es sie interessiert -, mit wem sie es zu tun haben. Sogar eigene Meinungen der
Verantwortlichen finden problemlos ihren Platz, solange sie eindeutig als solche
gekennzeichnet sind. So bekommt auch eine abstrakte Stabsstelle ein eigenes
Profil. Kommunikation und Interaktion: Natürlich kann man sich auch trotz Internet hinter untergebenen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verstecken und Anfragen auf dem Dienstweg
bearbeiten lassen, aber dadurch verzichtet man auf die Chancen einer direkten
Auseinandersetzung mit den Betroffenen über die in weiten Kreisen akzeptierten
elektronischen Kommunikationswege. E-Mail zum Beispiel ist ein sehr
niederschwelliges Verbindungsmittel: Auf die unmissverständliche Aufforderung
auf einer Webseite, der Präsidentin oder dem Präsidenten des Pfarreirats eine
E-Mail zu schreiben, werden überraschend viele Benutzerinnen und Benutzer
reagieren. Auf der andern Seite liegt auch die Zeit zur Beantwortung einer
überschaubaren Menge von E-Mails – sogar ohne Verletzung der elementarsten
Höflichkeitsregeln – im Bereich einer erträglichen Unterbrechung der
täglichen Arbeitsroutine. Offene kirchliche NetzwerkeImmer dann, wenn einzelne kirchliche Internetseiten-Betreiber an ihre Grenzen
stoßen, sollen sie Hilfe von außen erhalten. Solche Unterstützung bieten
kirchliche Netzwerke an wie z. B. http://www.kath.ch,
http://www.kath.de, http://www.kath-kirche.at. Auffindbarkeit: Über 300 Millionen Homepages waren im Juli 2000 im Internet zugänglich, davon
rund 18 Millionen deutschsprachige (5.77%) Verbindungen: Durch einen prominenten Link auf ein professionelles kirchliches Netzwerk gibt die Internetseite einer einzelnen Institution ihre Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen zu erkennen. Die kleinere Institution kann also darauf verzichten, die Verbindung zu allen andern Institutionen selber anzubieten und eine gewaltige Linksammlung aktuell zu halten, wenn diese Informationen durch ein offenes kirchliches Netzwerk jederzeit zur Verfügung stehen. Komplexe Zusatzangebote: Wie es aussieht, wird in den allernächsten Jahren nicht mehr das Design der
Seiten im Zentrum stehen: Mit neuen Gestaltungswerkzeugen wird der Einbau von
überraschenden Elementen auch für Computer-Laien immer einfacher. Auch
allumfassende Portale verlieren - außer im rein kommerziellen Bereich -
angesichts der heutigen Portaldichte immer stärker an Bedeutung: Es gibt bald
so viele Portale, wie es Internetdienstanbieter gibt. Das Internet geht nach
einer Phase des Experimentierens zurück zu seinen Wurzeln, dem Verbreiten von
Informationen. Gesucht allerdings sind nicht mehr wie in den Anfängen
Bandwurmtexte und -tabellen, sondern immer stärker strukturierte Informationen,
auf die gezielt zugegriffen werden kann. Günstige Beherbergung: Durch das Angebot von selbst verwalteten Unterverzeichnissen unter der Domain
des Netzwerks (z. B. http://www.kath.ch/zh/) wird der Betrieb der eigenen
Homepage für jede Institution erschwinglich. FolgerungenAuch wenn die eigene Homepage der Pfarrei kein vordringliches Anliegen ist,
ein Anliegen ist sie allemal. Gerade, aber nicht nur bei Jugendlichen genießt
das Internet eine große Anziehungskraft. So wird es – sinnvoll eingesetzt –
unter Umständen zu einem weiteren Grund für die Mitwirkung in der kirchlichen
Jugendgruppe.
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| Aktualisiert am 25. April 2001 | |||||
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