...was aussieht wie ein Irrgarten, hat einen Weg, der zur Mitte führt und von dort her wiederum hinaus in die Weite...

Mitte und Weite - Himmel und Erde - Gott und Mensch. Schon immer in der Geschichte der Kirche haben sich Menschen dieser Spannung gestellt, sie zur Lebensaufgabe gewählt, weil sie erfahren haben, dass Gott sie auf diesen Weg gerufen hat: Er führt zur Mitte in seine Nähe, und er führt hinaus zu den Mitmenschen. Sie sind dabei andern begegnet, Frauen und Männern, die ebenfalls diesen Weg gewählt haben: Man nennt diese Gruppen

Weltgemeinschaften oder Säkularinstitute.


 

Wer an den Funken glaubt, den Gott in mich gelegt hat,
und an das Feuer Gottes, mit dem ich verbunden bin,
hat keinen Grund zum Verzweifeln.

„Sie kennen sicher den Schmetterlingseffekt:
Es ist die Vorstellung, dass alles auf der Welt in einer so geheimnisvollen und komplexen Ver-bindung zueinander steht, dass der kaum merkliche und ganz bedeutungslose Flügelschlag eines Schmetterlings am einen Ende des Planeten an einem Tausende Kilometer entfernten Ort einen Taifun hervorrufen kann.

Ich bin der Meinung, dass man in der Politik an diesen Effekt glauben muss. Man darf nicht denken, dass unsere zwar mikroskopischen, in Wirklichkeit jedoch einmaligen tagtäglichen Ta-ten nur deswegen keinen Sinn haben, weil sie die gigantischen Probleme der heutigen Welt nicht lösen können.

In der Welt einer globalisierten Zivilisation kann nur derjenige verzweifeln, der nach einem tech-nischen Trick zu ihrer Rettung sucht. Für denjenigen aber, der ganz bescheiden an die geheim-nisvolle Kraft des eigenen menschlichen Seins glaubt, das ihn mit der geheimnisvollen Kraft des Seins der Welt verbindet, gibt es überhaupt keinen Grund zu verzweifeln."

Vaclav Havel, ehemaliger Staatspräsident Tschechiens
Aus 'Moral in Zeiten der Globalisierung' / rororo aktuell 22382 S. 19 ff