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Bischof besuchte Fazenda
Markus Büchel: «Chlöschterli wieder ein lebendiger Kraftort»
Am vergangenen Sonntag besuchte Bischof Markus Büchel die Fazenda da Esperança (Hof der Hoffnung) im Kloster Wattwil. In Gesprächen, auf einer Besichtigungsrunde und am Mittagstisch informierte er sich über die Gründungsphase. In der Klosterkirche feierte der Bischof mit dem Fazenda Team und Gästen Gottesdienst.
Zu Beginn des Besuches stellten sich Suchtkranke vor, die nach einem körperlichen Entzug wieder Schritt für Schritt Tritt im Leben gefasst haben. Der Bischof hörte aufmerksam zu und war tief berührt von der schonungslosen Offenheit, mit der die Männer erzählten. T. aus Belgien beispielsweise absolvierte erfolgreich ein Rekuperationsjahr auf einer deutschen Fazenda und studierte später Sozialpädagogik. Nach einem Rückfall in Alkoholprobleme erhielt T. die Chance, auf einer brasilianischen Fazenda eine weitere Auszeit zu nehmen. Der 28-jährige ist nun seit mehreren Jahren abstinent und wird in vier Wochen eine Stelle als Sozialpädagoge antreten. Bis dahin hilft er als Freiwilliger bei der Wattwiler Gründung.Ähnliche Geschichten
Alkohol, Heroin, Crack, Cannabis – die Geschichten weiterer Rekuperanten ähneln sich. Alle erzählen auch von der Erfahrung, dass die drei Pfeiler der Fazenda – Gemeinschaft, Arbeit, Spiritualität – helfen können, das Leben ohne Drogen zu bestehen. Markus Büchel staunte, wie selbstverständlich und unverkrampft die Männer mit ihm über Glaubensfragen sprachen und eindrückliche Glaubenszeugnisse ablegten. Zusammen mit den Ehemaligen helfen Freiwillige aus der Region Toggenburg beim Start. Sehr erfreulich ist, dass sich gegenwärtig zwei Schwestern aus dem Franziskanerinnen-Kloster Siessen (im Allgäu) ein Bild von der Fazenda in Wattwil machen, Sr. Doris und Sr. Magdalena.
Arbeiten im Gange
Nach dem Gottesdienst erhielt der Bischof Einblick in den Fazenda-Alltag. Erste Ausbesserungsarbeiten werden – in Absprache mit dem Denkmalschutz – in Angriff genommen. Ein Gärtner befreit Bäume und Sträucher von Schmarotzerpflanzen und beschneidet sie. Der Garten wird angelegt, in den Gebäuden wird geräumt und geputzt. Schreiner-, Maler- und Bodenleger-Arbeiten sind geplant oder bereits im Gange. Im Pachthof sind die ersten Zimmer für die künftigen Bewohner eingerichtet, das Pfortenhaus ist wieder geöffnet für Jakobspilger. Aus der Klosterküche kommen nach vielen Monaten wieder verführerische Gerüche. Tiere leben auf dem Hof: in gewohnter Umgebung bleiben durfte der Hund des ehemaligen Pächters, Schafe, Hühner (samt Güggel), mehrere Kaninchen folgen im Laufe der Woche.
Schweiz weit wahrgenommen
Die Aktivitäten werden verantwortlich koordiniert von Pfarrer Christian Heim (Präsident Trägerverein Schweiz) und Jan Colruyt (Geschäftsführer), die dem Bischof beim Mittagessen weitere Auskunft gaben. Die Gründung der ersten Fazenda in der Schweiz werde weit über die Grenzen des Bistums sehr positiv wahrgenommen, sagte der Bischof aufgrund von Rückmeldungen. «Über 400 Jahre lang haben im Kloster Maria der Engel Schwestern gelebt, gearbeitet und gebetet, die Fazenda pflegt dieses Erbe auf eigene Weise weiter», sagte Bischof Markus Büchel. «Jetzt ist das ‚Chlöschterli‘ wieder ein lebendiger Kraftort». (Sabine Rüthemann/inf.)
Weitere Informationen: www.fazenda.ch
Bistum St. Gallen, 18.04.2012
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